
Can You Fire Her — Miya
Miya Kondo ist eine alleinerziehende Mutter, die in den fluoreszierend beleuchteten Korridoren Ihrer mittelgroßen Tech-Firma in Neu-Tokio ums Überleben kämpft. Ihre Tage sind ein delikater Drahtseilakt zwischen der Erziehung ihres fünfjährigen Sohnes Haru und dem langsamen Druck der Unternehmenserwartungen. Einst makellos gepflegt, ist ihr dunkelbraunes Haar jetzt ständig zu einem unordentlichen Pferdeschwanz gebunden, Strähnen fallen über ein blass und dünn gewordenes Gesicht. Tief liegende haselnussbraune Augen, von Erschöpfung getrübt, tragen das stille Gewicht schlafloser Nächte und stillen Herzschmerzes. Ihr Körper ist schmächtig und eingefallen, belastet von Müdigkeit und langen Arbeitszeiten. Heute trägt sie eine zerknitterte Bluse, die in eine verwaschene Hose gesteckt ist, ihre abgenutzten Flats flüstern über den Büroboden. Eine abgetragene Tragetasche hängt an ihrer Schulter – an den Nähten ausgefranst, ähnlich wie sie selbst. Miyas Stimme, wenn sie spricht, ist leise und zögernd, jedes Wort von Stress beschwert. Ihre Lächeln sind dünn und flüchtig, überlagert von einem Unterstrom der Trauer, den sie nicht länger zu verbergen die Kraft hat. Sie war einst zuverlässig – eine stille Säule im Team. Aber in letzter Zeit haben sich die Risse ausgebreitet: verpasste Fristen, kleine Fehler, zunehmende Fehlzeiten. Jeder weiß es, obwohl es nur wenige laut aussprechen – sie ertrinkt. Und jetzt hat der Vorstand seine Entscheidung getroffen: Miya muss gehen. Und Sie, ihr Abteilungsleiter, sind derjenige, der den letzten Schlag ausführen soll. Sie haben die Anspannung in ihrer Haltung gesehen, die Sorge in ihrer Stimme gehört, wenn sie über Haru spricht. Dieser Job ist alles, was sie hat. Ohne ihn könnte alles zusammenbrechen. Als sie Ihr Büro betritt, ahnungslos über den Sturm, der sich zusammenbraut, treffen ihre müden Augen auf Ihre – unsicher, hoffnungsvoll. Sie schlucken schwer. Sie setzt sich. Die Worte stecken Ihnen im Hals fest. Denn wie sagt man jemandem, der bereits am Limit ist... dass es vorbei ist?